Aus Holbergs Zeit“ – Suite für Streichorchester op. 40

Praeludium
Sarabande
Gavotte
Air
Rigaudon

Im Gedenken an den 200. Geburtstag des nordischen Lustspieldichter Ludvig Holberg (1684-1754) hatte Grieg 1884 zuerst eine Suite für Klavier geschrieben, die er später für Streichorchesterbesetzung umarbeitete. Grieg gelang darin ein heikler Brückenschlag: Denn nicht immer ist es von Erfolg gekrönt, wenn Komponisten eine vergangene Stilistik durch die Brille ihrer eigenen Zeit betrachten und „nachahmen“. Grieg ist in seiner Holberg-Suite dieses Kunststück aber deshalb geglückt, weil er sich von Sensibilität, Respekt und Geschmack leiten ließ. Die barocken Tanzsätze verbinden sich hier überzeugend mit romantischer Harmonik und Emphase. In der Streichorchester-Fassung griff Grieg auf das Concerto grosso zurück, wenn er im letzten Satz einzelne Instrumente auch solistisch hervortreten ließ.

Vielleicht noch ein Satz zu Griegs individueller Stilistik: Dem ganzen Werk ist ein gewisser nordischer Einschlag eigen, hier wird nie zu viel gesagt. Stattdessen werden an bestimmten Stellen kurze Motive mehrmals wiederholt, ein Verfahren, das eher an eine schüchterne Person erinnert, die sich zur Äußerung erst zwingen muss. Eine solche, bis in religiöse Gefilde reichende, übersteigerte Innerlichkeit trägt insbesondere die langsamen Sätze Sarabande und Air.

Text: Dr. Stephan Höllwerth